Schon Platon kritisierte, dass man nicht die Augen ohne den Kopf und nicht den Kopf ohne den Körper behandeln solle – und genauso wenig den Körper ohne die Seele. Wenn der Blick nur auf einem einzelnen Symptom ruht, gerät der Mensch als Ganzes aus dem Blick.
Übertragen auf heute heisst das: Wenn wir nur Blutwerte, Röntgenbilder oder Diagnosen sehen, ohne die innere Verfassung eines Menschen zu beachten, bleibt jede Therapie unvollständig. Stimmung, Lebenssinn, innere Konflikte und Beziehungen wirken ständig auf den Körper ein – im Positiven wie im Negativen.
Von der Seele, würde Platon sagen, geht vieles Gute und Schlechte für den Körper aus. Deshalb gehört zur Heilung mehr als Medikamente oder Operationen: Es braucht auch Raum für Gefühle, Sinnfragen und das, was einen Menschen innerlich bewegt.
In meiner Arbeit als Therapeut beziehe ich genau diese Dimension bewusst mit ein. Ich unterstütze Menschen dabei, ihre innere Haltung, ihre Sinnorientierung und ihre seelischen Wunden anzuschauen – damit Therapie nicht nur „repariert“, sondern den ganzen Menschen stärkt. Gleichzeitig arbeite ich sehr gerne mit Ärztinnen und Ärzten zusammen. Körperliche Medizin und seelische Arbeit sind für mich keine Gegensätze, sondern zwei wichtige Seiten derselben Wirklichkeit: des Menschen.
Es hat sich seit Platon wenig geändert: Wenn wir wirklich heilen wollen, sollten wir nie nur einen Teil behandeln – sondern immer den ganzen Menschen.
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