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01.04.2026

Was schützen wir eigentlich?

Wofür stehen wir als Gesellschaft?

Wir sprechen von Sicherheit.
Von Verteidigung.
Von Aufrüstung.
Von Milliarden, die in Waffen, Systeme und Kriegsmaterial fliessen, damit wir vorbereitet sind, falls irgendwann ein Krieg kommen sollte.

Vielleicht kommt er.
Vielleicht auch nicht.

Aber während wir für ein mögliches Morgen vorsorgen, gibt es Menschen, die heute leiden.

Nicht vielleicht.
Nicht irgendwann.
Nicht theoretisch.

Sondern jetzt.

Da ist der Mensch, der seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann.
Da ist die Frau, die krank ist und nicht weiss, wie sie den Alltag schaffen soll.
Da ist der Mann, der innerlich schon lange erschöpft ist und trotzdem weiterfunktionieren muss.
Da sind Familien, alte Menschen, psychisch belastete Menschen, Menschen am Rand unserer Gesellschaft.

Und genau hier beginnt für mich eine logotherapeutische Frage:

Wozu setzen wir unsere Kraft, unser Geld und unsere Aufmerksamkeit ein?

Denn die Logotherapie fragt nicht nur nach dem grossen Ganzen.
Sie fragt immer auch nach dem konkreten Menschen, der uns begegnet.
Nach dem Sinn im Augenblick.
Nach der Verantwortung gegenüber dem, was uns das Leben jetzt vor die Füsse legt.

Natürlich kann man sagen: Ein Staat muss vorsorgen.
Ein Staat darf nicht naiv sein.
Ein Staat muss Bedrohungen ernst nehmen.

Ja. Das ist verständlich.

Aber ebenso verständlich wäre doch auch die Frage:
Wie kann es sein, dass wir für ein mögliches Leid von morgen Milliarden finden, während wir beim wirklichen Leid von heute sparen?

Was sagt das über unsere Prioritäten?
Was sagt das über unser Menschenbild?
Was sagt das darüber, was wir unter Sicherheit eigentlich verstehen?

Vielleicht ist das unser innerer Widerspruch:
Wir wollen das Land schützen, aber wir übersehen dabei manchmal den Menschen.
Wir denken an äussere Feinde, aber zu wenig an die innere Not.
Wir rüsten uns gegen Gefahren, die vielleicht kommen, und verlieren das Mitgefühl für jene, die jetzt schon kämpfen.

Logotherapeutisch betrachtet ist der Mensch kein Kostenfaktor.
Er ist kein Nebenschauplatz.
Er ist nicht das, was übrig bleibt, wenn man nach grossen politischen Entscheidungen noch Mittel hat.

Der Mensch ist Mitte.
Der leidende Mensch ist Ruf.
Und jeder Ruf stellt uns in die Verantwortung.

Viktor Frankl hat den Menschen nie nur als biologisches oder gesellschaftliches Wesen gesehen.
Er sah in ihm ein Wesen, das nach Sinn fragt, nach Würde, nach Haltung und Verantwortung.
Gerade deshalb können wir uns nicht nur fragen, was strategisch klug ist.
Wir müssen uns auch fragen, was menschlich richtig ist.

Was schützt eine Gesellschaft wirklich?

Sind es nur Waffen?
Oder ist es nicht auch der Zusammenhalt?
Die Solidarität?
Die medizinische Versorgung?
Die psychische Begleitung?
Die Hilfe für jene, die nicht mehr können?
Die Gewissheit, dass ein Mensch in seiner Not nicht einfach vergessen wird?

Vielleicht beginnt echte Sicherheit viel früher, als wir meinen.
Vielleicht beginnt sie dort, wo ein Mensch spürt:

Ich bin nicht allein.
Ich werde gesehen.
Ich bin nicht wertlos.
Es gibt Hilfe.

Eine Gesellschaft, die Milliarden für Waffen ausgeben kann, sollte auch die Grösse haben, in ihre Menschen zu investieren.
In die Kranken.
In die Armen.
In die Schwachen.
In die Erschöpften.
In jene, die nicht laut genug sind, um gehört zu werden.

Denn dort entscheidet sich am Ende nicht nur unsere Politik.
Dort entscheidet sich auch unsere Menschlichkeit.

Die entscheidende Frage lautet für mich deshalb nicht nur:
Wie verteidigen wir unser Land im Ernstfall?

Sondern auch:
Wofür steht dieses Land im Alltag?
Für Angst?
Für Abschreckung?
Für Vorsorge?
Oder auch für Mitmenschlichkeit, Würde und gelebte Verantwortung?

Vielleicht braucht es nicht weniger Sicherheit.
Vielleicht braucht es ein tieferes Verständnis davon, was Sicherheit überhaupt ist.

Nicht nur Schutz vor einem möglichen Krieg.
Sondern auch Schutz vor dem Absturz ins Bodenlose.
Vor Verzweiflung.
Vor Einsamkeit.
Vor Armut.
Vor dem Gefühl, als Mensch keine Rolle mehr zu spielen.

Dort, wo Menschen heute Hilfe brauchen, wartet nicht bloss ein politisches Problem.
Dort wartet eine Aufgabe.
Vielleicht sogar unsere eigentliche.

Denn Sinn zeigt sich nicht nur im grossen Reden über Bedrohungen.
Sinn zeigt sich dort, wo wir dem Menschen dienen, der uns heute braucht.

AndrasM ☀️

Brauchst du Hilfe, du bist bei mir im Mittelpunkt, egal wer du bist.

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