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24.03.2026

Die Angst vor Veränderung

.... ist oft grösser als das Leid, das wir bereits kennen

Angst hat viele Gesichter. Manchmal fürchten wir nicht nur das, was vor uns liegt. Manchmal fürchten wir noch mehr das Unbekannte als das, was uns jetzt schon belastet. Darum bleiben Menschen oft erstaunlich lange in Zuständen, die ihnen nicht guttun. Nicht weil sie diese Zustände lieben, sondern weil sie sie kennen.

Das ist etwas sehr Menschliches.

Das Bekannte gibt uns eine trügerische Form von Sicherheit. Selbst wenn es eng, schmerzhaft oder kraftlos ist, wissen wir doch, wie es sich anfühlt. Wir kennen seine Regeln, seine Wiederholungen, seine Grenzen. Das Unbekannte dagegen hat keine klaren Konturen. Es könnte besser werden — aber es könnte auch enttäuschen, verunsichern oder überfordern. Und so halten wir manchmal lieber an etwas Festem fest, obwohl es uns längst nicht mehr trägt.

Dazu passt eine kleine Geschichte.

Ein Mann lebte seit vielen Jahren in einer kleinen Hütte am Waldrand. Die Hütte war eng, dunkel und kalt. Wenn es regnete, tropfte es vom Dach. Wenn der Wind kam, pfiff es durch die Ritzen. Bequem war dieses Leben nicht. Und doch blieb er.

Immer wieder dachte er daran, hinauszugehen. Vielleicht gäbe es hinter den Bäumen einen besseren Ort. Vielleicht mehr Licht, mehr Weite, mehr Leben. Doch sofort kamen die Gedanken:
Was, wenn ich mich verirre?
Was, wenn draussen noch grössere Gefahr auf mich wartet?
Was, wenn ich gehe und merke, dass ich besser geblieben wäre?

Eines Tages kam ein alter Wanderer vorbei. Er trat ein, setzte sich ans Feuer und sah den Mann lange an. Dann sagte er ruhig:
„Du bleibst nicht hier, weil diese Hütte gut ist. Du bleibst hier, weil du sie kennst.“

Dieser Satz traf den Mann mitten ins Herz.

Am nächsten Morgen öffnete er die Tür. Sein Herz schlug schnell. Seine Beine zitterten. Alles in ihm wollte zurück in das Vertraute. Doch diesmal blieb er nicht stehen. Er ging einen kleinen Schritt. Dann noch einen. Nur bis zum ersten Baum. Dann bis zum nächsten. Schliesslich bis zu einer Lichtung.

Dort fand er nicht sofort ein Paradies.
Aber er fand Luft.
Licht.
Raum.

Und er erkannte:
Das Unbekannte war nicht nur Gefahr.
Es war auch Möglichkeit.

So ist es oft auch in unserem Leben. Menschen bleiben in Ängsten, in alten Mustern, in belastenden Beziehungen, in lähmenden Gedanken oder in inneren Käfigen, weil das Vertraute ihnen weniger bedrohlich erscheint als ein offener Weg. Doch genau darin liegt die Tragik: Das, was uns klein hält, wird mit der Zeit zu etwas Gewohntem. Und das Gewohnte verwechseln wir dann mit Sicherheit.

Heilung beginnt deshalb nicht immer damit, dass die Angst verschwindet.
Oft beginnt sie damit, dass wir erkennen:
Das Vertraute ist nicht automatisch gut.
Und:
Das Unbekannte ist nicht automatisch schlecht.

In der Logotherapie könnte man sagen: Der Mensch ist seiner Angst nicht einfach ausgeliefert. Er hat die Freiheit, sich zu ihr zu verhalten. Zwischen Angst und Handlung liegt ein kleiner innerer Raum. Dort kann Entscheidung entstehen. Dort zeigt sich die Trotzmacht des Geistes.

Vielleicht braucht es nicht den grossen Umbruch.
Vielleicht beginnt Veränderung viel kleiner:
mit einem ehrlichen Hinschauen,
mit einem Gespräch,
mit einem Nein,
mit einem ersten Schritt.

Nicht ohne Angst.
Aber trotz Angst.

Denn manchmal liegt die grössere Gefahr nicht draussen.
Sondern darin, für immer in der engen Hütte des Bekannten zu bleiben.

AndrasM ☀️

Diesen Käfig bauen wir uns selbst.
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