Zum Hauptinhalt springen

17.03.2026

Sei der Du bist

Wenn wir aufhören, fremden Idealen nachzulaufen

Viele Menschen spüren irgendwann eine tiefe innere Unruhe. Nicht unbedingt, weil äussere Not da ist. Nicht immer, weil im Leben alles schiefläuft. Sondern weil sie sich selbst verloren haben.

Sie leben, funktionieren, leisten, passen sich an – und haben doch das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.
Oft liegt der Grund darin, dass sie nicht ihr eigenes Leben leben, sondern einem Bild nachlaufen, das gar nicht zu ihnen gehört.

Da ist das Ideal des besonders Erfolgreichen.
Das Bild des immer Gelassenen.
Des spirituell Erleuchteten.
Des makellos Schönen.
Des starken, unangreifbaren Menschen.
Oder desjenigen, der scheinbar genau weiss, was seine Berufung ist.

Solche Bilder üben Macht aus.
Sie versprechen Anerkennung, Sicherheit, Zugehörigkeit oder Sinn.
Doch sie haben einen Preis:
Man beginnt, sich selbst mit fremden Massstäben zu messen.

Der stille Verlust des eigenen Wesens

Viele Menschen leiden nicht zuerst an ihren Schwächen, sondern an dem ständigen Vergleich.
Sie schauen auf andere und denken:
So müsste ich sein.
Anders, besser, glatter, klarer, beeindruckender.

So entsteht innerlich eine Spaltung:
Hier bin ich.
Dort ist das Bild, dem ich entsprechen möchte.
Und je grösser der Abstand wird, desto mehr schämt sich der Mensch für das, was er eigentlich ist.

Dann wird das Leben anstrengend.
Man spielt Rollen.
Man spricht vielleicht Worte, die nicht aus dem eigenen Inneren kommen.
Man wählt Wege, die bewundert werden, aber nicht nähren.
Man versucht, eine Version seiner selbst zu bauen, die von aussen richtig aussieht, innerlich aber leer bleibt.

Die Weisheit der Krähe

Eine alte Geschichte erzählt von einer Krähe, die mit sich selbst unzufrieden wurde.
Als sie einen Schwan sah, wollte sie so weiss und würdevoll sein wie er.
Dann sah sie einen Papagei und wollte so bunt und bewundert sein wie dieser.
Später sah sie einen Adler und wollte stark und majestätisch wie er sein.

Immer, wenn sie jemand anderen betrachtete, verlor sie den Frieden mit sich selbst.

Schliesslich sagte ein weiser Uhu zu ihr:

„Die Krähe leidet nicht daran, dass sie eine Krähe ist.
Sie leidet daran, dass sie vergessen hat, Krähe zu sein.“

Dieser Satz trifft einen wunden Punkt vieler Menschen.

Denn oft ist nicht das eigene Wesen das Problem.
Das Problem ist, dass wir es ablehnen.
Dass wir glauben, es genüge nicht.
Dass wir meinen, erst in einer anderen Form wertvoll, liebenswert oder sinnvoll zu sein.

Selbstannahme ist nicht Stillstand

Sich selbst anzunehmen bedeutet nicht, auf Entwicklung zu verzichten.
Es bedeutet nicht, jede Schwäche schönzureden.
Und es bedeutet nicht, sich einfach treiben zu lassen.

Selbstannahme heisst vielmehr:
Von einem ehrlichen Boden aus zu leben.

Nur wer sich nicht dauernd verkleiden muss, kann wirklich wachsen.
Nur wer sich nicht ununterbrochen mit anderen verwechselt, kann erkennen, was in ihm angelegt ist.
Nur wer den Mut hat, er selbst zu sein, kann seinem Leben eine stimmige Richtung geben.

Ein Baum wird nicht gesünder, indem er versucht, ein anderer Baum zu werden.
Er wächst, indem er seine eigene Art entfaltet.

So ist es auch beim Menschen.

Die Frage nach dem eigenen Sinn

Gerade aus logotherapeutischer Sicht ist das bedeutsam.
Denn Sinn entsteht nicht dadurch, dass wir ein fremdes Ideal kopieren.
Sinn entfaltet sich dort, wo ein Mensch in Verantwortung auf das antwortet, was das Leben ihm aufträgt – als der Mensch, der er ist.

Nicht jeder ist laut.
Nicht jeder ist führungsstark.
Nicht jeder ist künstlerisch, kämpferisch oder extrovertiert.
Aber jeder Mensch hat eine eigene Weise, dem Leben zu begegnen.
Eine eigene Stimme.
Eine eigene Aufgabe.
Eine eigene Form von Treue.

Wer das eigene Wesen geringachtet, wird auch den eigenen Weg schwer erkennen.
Wer sich dagegen mit ehrlichem Blick annimmt, gewinnt Klarheit.

Vielleicht geht es nicht darum, mehr zu werden

Vielleicht geht es manchmal gar nicht darum, noch eindrücklicher, schöner oder erfolgreicher zu werden.
Vielleicht geht es zuerst darum, weniger Maske zu tragen.

Weniger Vergleich.
Weniger Verstellung.
Weniger Jagd nach Bildern, die gar nicht aus dem eigenen Inneren stammen.

Und dafür mehr Wahrhaftigkeit.
Mehr Boden.
Mehr Mut zur eigenen Gestalt.

Denn ein Mensch kommt oft nicht dann in den Frieden, wenn er endlich so geworden ist wie andere.
Sondern dann, wenn er aufhört, vor sich selbst davonzulaufen.

Schlussgedanke

Nicht jeder Mensch muss aussergewöhnlich erscheinen.
Aber jeder Mensch ist gerufen, echt zu werden.

Wer immer nur fragt:
„Wie müsste ich sein?“
verliert sich leicht.

Wer dagegen fragt:
„Wer bin ich – und wie kann ich diesem Leben treu werden?“
kommt dem Wesentlichen näher.

Sei der, der du bist.
Darin liegt nicht Enge, sondern Würde.
Nicht Stillstand, sondern Wahrheit.
Und oft auch der Anfang eines sinnvolleren Lebens.

AndrasM ☀️

Das sind Beispiele aus meiner Praxis, liebe Personen, die nicht sich selbst sind. Sie haben Vorbilder und möchten so sein, vergessen dabei sich selbst zu sein.

👉 Mehr Informationen und Kontakt


Kommentare

Noch keine Kommentare.

Kommentar schreiben

1 x pro Woche neue Blogbeiträge per E-Mail. Abmeldung jederzeit möglich. Mit dem Abonnieren akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklätung.

Wir benutzen Cookies
Wir verwenden Cookies sowie externe Inhalte. Bei Zustimmung werden externe Inhalte (z.B. ProvenExpert-Bewertungssiegel als externe Grafik) von Drittanbietern geladen; dabei erfolgt technisch bedingt eine Verbindung zu deren Servern, wodurch z.B. Ihre IP-Adresse übermittelt werden kann. Details finden Sie in der Datenschutzerklärung.
CookieHint and Consent by reDim GmbH