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10.02.2026

Haben oder Frieden

Wann haben wir genug?

Der Satz von Erich Fromm wirkt wie ein Hammerschlag:

„Solange jeder mehr haben will, müssen sich Klassen herausbilden, muss es Klassenkampf und, global gesehen, internationale Kriege geben. Habgier und Friede schliessen einander aus.“

Das ist zugespitzt – und genau deshalb trifft er viele Menschen sofort. Fromm beschreibt nicht nur individuelles Verhalten, sondern eine Grundlogik: Wenn „mehr“ (Besitz, Status, Kontrolle) zum Massstab für Wert wird, entsteht ein Klima, in dem Konkurrenz fast selbstverständlich wird. Und Konkurrenz hat Nebenwirkungen. Sie erzeugt Gewinner und Verlierer – oder zumindest das Gefühl davon. Daraus entstehen Hierarchien, Neid, Angst, Abwertung, Misstrauen. Im Alltag zeigt sich das subtil: in Vergleichen, in ständigem Optimieren, im Druck mitzuhalten. Im Grossen zeigt es sich strukturell: in Ungleichheit, in Machtgefällen, im Kampf um Ressourcen und Einfluss.

Wichtig ist: Nicht jedes „Mehr“ ist Habgier. Mehr Sicherheit, mehr Bildung, mehr Gesundheit, mehr Stabilität – das kann friedensstiftend wirken, weil es Angst reduziert und Handlungsspielraum vergrössert. Habgier beginnt dort, wo „mehr“ nicht mehr dem Leben dient, sondern das Leben dem „mehr“. Wo das „Haben“ zur Identität wird: Ich bin wertvoll, wenn ich mehr habe. Dann wird „genug“ nicht als Freiheit erlebt, sondern als Bedrohung.

Hier wird Fromms Gedanke aus „Haben oder Sein“ besonders hilfreich: Es geht nicht um moralische Anklage („Du darfst nichts haben“), sondern um die Frage, welcher Modus unser Leben führt. Im Haben-Modus wird die Welt schnell zum Objekt: etwas, das man besitzen, kontrollieren, sichern muss. Im Sein-Modus wird die Welt zum Raum für Beziehung, Verantwortung, Begegnung, Kreativität – und Sinn.

Und genau hier lässt sich eine Brücke zur Logotherapie schlagen: Sinn entsteht nicht aus Besitz, sondern aus Haltung, Beziehung und gelebten Werten. Frieden beginnt deshalb nicht nur in Verträgen oder Strukturen, sondern auch in der inneren Fähigkeit, das eigene Leben nicht vom Mangel her zu führen. Wer ein inneres „Genug“ findet, muss andere weniger klein machen, weniger bekämpfen, weniger übertrumpfen. Ein Mensch, der Sinn findet, braucht weniger Ersatzbefriedigungen.

Zum Schluss vielleicht drei praktische Fragen – als persönlicher Kompass:

  1. Wofür will ich „mehr“ – und was verspreche ich mir davon?

  2. Woran würde ich merken, dass es „genug“ ist – ganz konkret?

  3. Wenn ich heute Sinn statt Mehr wählen würde: Was wäre mein nächster kleiner Schritt?

Fromms Satz bleibt eine Warnung. Aber er kann auch eine Einladung sein: Nicht zur Askese, sondern zur Freiheit – weg vom Getriebensein, hin zu einem Leben, das trägt.

AndrasM ☀️

Wenn Du unzufrieden mit deinem immer "Mehr", können wir gerne einmal zusammensitzen.

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