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31.01.2026

Der zweite Pfeil

Warum wir oft mehr leiden als nötig

Es gibt Tage, da trifft uns das Leben. Manchmal leise, manchmal hart: ein Konflikt, eine Enttäuschung, eine schlaflose Nacht, Schmerzen, ein Rückschlag im Beruf oder ein innerer Druck, der nicht nachlässt.

In einer alten Zen-Lehre wird dafür ein starkes Bild verwendet: der erste und der zweite Pfeil.

Der erste Pfeil steht für das, was geschieht und weh tut:
Schmerz, Verlust, Kränkung, Angst, Überforderung. Das ist menschlich und unvermeidlich.

Der zweite Pfeil ist das, was wir danach hinzufügen:
Bewertungen, Selbstvorwürfe, Katastrophengedanken, Scham.

  • „Ich müsste das im Griff haben.“

  • „Andere schaffen das doch auch.“

  • „Ich bin falsch.“

  • „Wenn ich mich so fühle, wird es nie besser.“

So entsteht aus einer realen Schwierigkeit eine zusätzliche innere Belastung. Nicht, weil wir „schwach“ wären — sondern weil unser Gehirn versucht, Sicherheit herzustellen. Es will erklären, kontrollieren, verhindern. Nur: Der Preis ist oft hoch.

Der Wendepunkt: Erkennen statt Kämpfen

Der wichtigste Schritt ist nicht „positiv denken“.
Der wichtigste Schritt ist unterscheiden:

  • Was ist Pfeil 1? (Fakten, Schmerz, Gefühl, Situation)

  • Was ist Pfeil 2? (Bewertung, Geschichte im Kopf, Selbstabwertung)

Allein diese Unterscheidung schafft Abstand.

Ein praktischer Satz lautet:
„Das ist Pfeil 1 — und Pfeil 2 lasse ich liegen.“

Logotherapeutische Perspektive: Der Raum der Freiheit

Viktor Frankl beschreibt, dass zwischen Reiz und Reaktion ein Raum liegt. In diesem Raum liegt unsere Freiheit, eine Haltung zu wählen. Der erste Pfeil mag uns treffen — doch der zweite ist oft eine Entscheidung, die wir nicht bewusst als Entscheidung erleben.

Therapie bedeutet hier:
Diesen Raum wieder spüren lernen.
Und darin neue Möglichkeiten entdecken: Selbstmitgefühl, Klarheit, Handlungsfähigkeit.

Mini-Übung (2 Minuten)

  1. Atme einmal ruhig aus.

  2. Benenne: „Pfeil 1 ist…“ (z.B. „Druck in der Brust“, „Angst“, „Traurigkeit“, „Enttäuschung“)

  3. Benenne: „Pfeil 2 ist…“ (z.B. „Ich bin zu schwach“, „Es darf nicht sein“, „Ich schaffe das nie“)

  4. Sage: „Pfeil 2 lasse ich liegen.“

  5. Frage dich: „Was wäre jetzt ein kleiner, freundlicher Schritt?“

AndrasM ☀️

Wenn du möchtest, unterstütze ich dich dabei, genau diesen Raum zu vergrössern — Schritt für Schritt.

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