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12.01.2026

Weisses Pulver

Das weisse Pulver – ein Gleichnis über Gewinn ohne Mass

In einem Tal lebten Menschen, die ihre Felder kannten wie man einen guten Freund kennt. Sie wussten: Boden braucht Zeit. Wasser braucht Schutz. Leben braucht Mass. Die Ernte war nicht spektakulär – aber sie war verlässlich.

Eines Tages kam ein Händler. Er stellte einen Sack auf den Marktplatz und sagte:
„Das ist weisses Pulver. Ein Hauch davon – und eure Ernte wird doppelt so gross. Ihr werdet endlich nicht nur überleben, sondern gewinnen.“

Einige fragten: „Ist es sicher?“
Der Händler lächelte: „Sicher ist, was Gewinn bringt. Und was Gewinn bringt, kann nicht falsch sein.“

Am Rand stand ein alter Mann. Er sagte nur:
„Wenn etwas wirkt, wirkt es nicht nur auf das, was ihr loswerden wollt.“

Doch die Menschen hörten ihn kaum. Denn sie hörten bereits die Münzen im Kopf.

Im ersten Jahr war die Ernte gewaltig. Endlich Anerkennung. Endlich Wachstum. Endlich das Gefühl, mitzuhalten. Im zweiten Jahr brauchte man etwas mehr Pulver – „damit es so gut bleibt“. Im dritten Jahr war es ohne Pulver fast unmöglich. Die Erde wurde hart. Der Bach roch seltsam. Die Bienen wurden weniger.

Als das erste Kind krank wurde, sagte man: „Zufall.“
Als Tiere starben, sagte man: „Wetter.“
Als die Böden rissig wurden, sagte man: „Das ist halt Natur.“

Der alte Mann kam noch einmal über den Platz und fragte:
„Was ist euch lieber – ein Tal, das euch ernährt, oder Zahlen, die euch betäuben?“

Da wurden einige wütend: „Willst du, dass wir arm bleiben? Willst du uns zurückhalten?“
Und weil sie Angst hatten, das Wenige zu verlieren, klammerten sie sich an das Pulver.

Jahre später war das Tal reich an Geld – aber arm an Leben. Wasser musste von aussen gebracht werden. Der Boden trug kaum noch. Der Händler kam nicht mehr; er hatte längst das nächste Tal gefunden.

Und eine Frau, die früher am lautesten gejubelt hatte, sagte:
„Wir haben nicht nur Unkraut getötet. Wir haben unsere Zukunft besprüht.“

Was dieses Gleichnis mit uns zu tun hat

Dieses Gleichnis ist keine Anklage gegen Fortschritt. Es ist eine Frage nach Mass. Nach Verantwortung. Nach dem Preis von „mehr“. Denn vieles wird heute so organisiert, dass kurzfristiger Nutzen langfristige Schäden überdeckt. Und wenn man die Folgen spürt, ist die Verantwortung oft schon weitergezogen.

Logotherapeutisch betrachtet ist ein zentraler Punkt:
Wir können nicht jede Struktur sofort ändern – aber wir können unsere Haltung prüfen:
Wofür will ich stehen? Was unterstütze ich – stillschweigend oder aktiv? Und was möchte ich nicht mehr normalisieren?

Sinn entsteht oft dort, wo wir sagen:
„Ich mache nicht alles mit, nur weil es sich rechnet.“

Reflexionsfragen (für dich oder für Klient:innen)

  1. Wo in meinem Leben „wirkt“ etwas schnell – aber hat einen versteckten Preis?

  2. Welche Ausrede benutze ich am häufigsten, um nicht hinzuschauen? („Zufall“, „alle machen das“, „ich kann eh nichts ändern“ …)

  3. Was ist meine persönliche Grenze, auch wenn sie mich etwas kostet?

  4. Welcher Wert soll in meinem Handeln erkennbar werden – selbst im Kleinen?

  5. Wo könnte ich diese Woche eine Entscheidung treffen, die nicht nur „nützlich“, sondern stimmig ist?

Ein kleiner Schritt, der echte Wirkung hat

Manchmal beginnt Veränderung nicht mit Protest, sondern mit Klarheit:

  • bewusster Konsum statt Autopilot

  • Fragen stellen, wo alle schweigen

  • Grenzen kommunizieren

  • Alternativen unterstützen – auch wenn sie anfangs unbequemer sind

Nicht weil wir die Welt allein retten.
Sondern weil wir Mensch bleiben wollen.

AndrasM ☀️

In den Regierungen wird zugestimmt, dass krebserregende Pestizide gebraucht werden dürfen, in den USA ist der Grenzwert von Formaldehyd erhöht worden, einige Wasserquellen dürfen wegen Verseuchung nicht mehr benutzt werden, PFAS ist überall, Plastik in unserem Hirn. Ich frage mich, wollen wir leben oder möglichst hohe Gewinne erzielen? Das gleiche ist auch mit dem Krieg, das Volk will eigentlich nur leben, die Regierungen wollen Macht. Sagen wir doch einach einmal NEIN.

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