06.01.2026
„Es ist kompliziert“

Wenn ein kluger Satz dich vom ersten Schritt abhält
Es gibt Sätze, die klingen vernünftig – und halten uns trotzdem gefangen.
Einer davon ist: „Mein Problem ist nicht so einfach.“
Natürlich: Manche Themen sind wirklich komplex. Beziehungen, Gesundheit, Finanzen, Sinnkrisen, Burnout – das ist nichts, was man „mal schnell“ löst.
Und doch gibt es eine stille Falle:
Manchmal nutzen wir die Komplexität nicht als Beschreibung, sondern als Schutzschild.
Ein Schutzschild gegen das Unangenehme: gegen Unsicherheit, gegen Fehler, gegen die Möglichkeit zu scheitern.
Die Geschichte vom ersten Stein
Ein Mann suchte eine alte Bergführerin auf.
„Ich brauche Hilfe“, sagte er. „Mein Problem ist sehr kompliziert.“
Die Führerin hörte zu, ohne zu widersprechen. Dann führte sie ihn an einen Hang. Dort lagen viele Steine: kleine, mittlere, grosse.
Sie zeigte auf den Gipfel und sagte: „Bring mir einen Stein nach oben.“
Der Mann schaute auf den Berg und dann auf die Steine.
„Das geht nicht“, sagte er sofort. „Das ist viel zu viel. Und ausserdem weiss ich nicht, welcher Stein der richtige ist. Mein Problem ist komplex.“
Die Führerin bückte sich, nahm einen kleinen Stein auf, ging drei Schritte bergauf und legte ihn ab.
Dann kam sie zurück.
„Was soll das bringen?“, fragte der Mann. „Das ändert doch nichts.“
„Doch“, sagte sie. „Es ändert dich.
Du bist nicht mehr der, der nur erklärt.
Du bist der, der begonnen hat.“
Der Mann protestierte: „Aber mein Problem ist nicht so ein kleiner Stein. Das ist ein ganzer Berg!“
Die Führerin nickte:
„Genau deshalb ist der erste Schritt nicht: den Berg lösen.
Der erste Schritt ist: aufhören, den Berg als Grund zu benutzen, um stehen zu bleiben.“
Da bückte sich der Mann. Nicht nach dem grössten Stein.
Nur nach einem, den er tragen konnte.
Und während er ging, merkte er: Das Problem war nicht plötzlich einfach geworden – aber er war nicht mehr gelähmt.
Was dahinter steckt
„Komplex“ kann wahr sein.
Aber oft steckt darunter etwas sehr Menschliches:
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Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen
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Scham, nicht perfekt zu sein
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Überforderung (zu viele Baustellen gleichzeitig)
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der Wunsch, zuerst „alles zu verstehen“, bevor man startet
Der Preis ist hoch: Man bleibt im Kopf – und kommt im Leben nicht vorwärts.
Manchmal ist der nächste Schritt nicht „die Lösung“.
Manchmal ist der nächste Schritt nur: Bewegung.
Und Bewegung macht etwas Entscheidendes:
Sie schafft neue Informationen, neue Erfahrungen, neue Selbstwirksamkeit.
Reflexionsfragen
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Wo sage ich gerade „Es ist kompliziert“ – und was vermeide ich damit?
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Welche Angst steckt unter dem Wunsch, alles zuerst vollständig zu klären?
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Was wäre ein erster Schritt, der so klein ist, dass ich ihn nicht diskutieren muss?
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Was würde sich in mir ändern, wenn ich einfach 3 Schritte gehe – ohne Garantie?
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Was wäre heute ein „Stein“, den ich tragen kann: 5 Minuten, ein Gespräch, ein Termin, ein Nein, ein Ja?
Mini-Übung: Der 3-Schritte-Test
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Schreibe dein „kompliziertes“ Thema in einen Satz.
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Formuliere einen Schritt, der maximal 10 Minuten dauert.
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Mach ihn heute. Nicht perfekt. Nur real.
Denn:
Komplexität löst man nicht durch Denken allein – sondern durch den ersten tragbaren Schritt.
#AndrasM ☀️
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