03.01.2026
Die Nadel

Nicht die Vergangenheit tut weh – sondern die Erinnerung im Jetzt
Viele Menschen sagen: „Meine Vergangenheit ist schlimm.“
Und ja: Es gibt Erlebnisse, die waren hart, ungerecht, beschämend oder tief verletzend.
Aber wenn wir genau hinschauen, geschieht etwas Wichtiges:
Die Vergangenheit selbst ist nicht mehr da.
Sie kann uns nicht mehr erreichen. Was uns erreicht, ist das, was wir heute davon in uns tragen: Bilder, Sätze, Körpergefühle, innere Filme – Erinnerungen.
Und Erinnerungen sind keine Zeitmaschinen. Sie entstehen immer im Jetzt.
Die Geschichte von der Nadel in der Tasche
Ein junger Mensch klagt einem alten Mann sein Leid:
„Meine Vergangenheit verfolgt mich.“
Der Alte zieht eine kleine Nadel aus der Jacke.
„Steck sie in deine Tasche und geh ein paar Schritte.“
Der Junge tut es. Nach wenigen Metern zuckt er zusammen:
„Aua! Das sticht!“
Der Alte fragt: „Wann hat es gestochen?“
„Gerade eben.“
Der Alte nickt:
„Nicht gestern sticht. Nicht vor Jahren. Sondern jetzt.
Nicht die Vergangenheit verletzt dich – sondern das, was du heute davon in dir trägst.“
Der Junge wird still. „Soll ich das einfach vergessen?“
„Nein“, sagt der Alte. „Der Schmerz ist real. Aber du musst ihn am richtigen Ort behandeln: im Heute.
Hier hast du deine Hände. Hier kannst du lernen, die Nadel herauszunehmen, sie zu umwickeln, sie jemandem zu zeigen – und Hilfe anzunehmen.“
Warum das wichtig ist
Wenn wir glauben, die Vergangenheit sei der Feind, fühlen wir uns oft machtlos:
„Es ist passiert, ich kann es nicht ändern.“
Wenn wir erkennen, dass der Schmerz im Jetzt entsteht, verändert sich etwas:
Dann gibt es einen Ort, an dem wir Einfluss gewinnen können – in der Gegenwart.
Das heisst nicht, dass man „nur positiv denken“ muss.
Es heisst auch nicht, dass man Erlebtes kleinreden soll.
Es heisst: Der Weg zur Heilung führt über das Heute.
Drei Fragen zur Selbstreflexion
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Was genau passiert in mir, wenn die Erinnerung auftaucht? (Gedanke, Gefühl, Körper)
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Welche Bedeutung gebe ich dem Erlebten heute? (Welche Schlussfolgerung über mich, andere, die Welt?)
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Was würde mir jetzt helfen, die „Nadel“ sicher zu tragen oder Stück für Stück herauszunehmen?
Manchmal reicht schon ein erster kleiner Schritt: die Erinnerung nicht mehr allein zu tragen, sondern sie in einem sicheren Rahmen anzuschauen – behutsam, strukturiert und mit Ressourcen.
Wenn du merkst, dass dich Erinnerungen immer wieder in die gleiche Schleife ziehen: Du bist nicht „zu schwach“. Du bist einfach gerade im Kontakt mit etwas Unverarbeitetem – im Heute.
#AndrasM ☀️
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