01.01.2026
Der Wanderer

Die Laterne und der nächste Schritt – warum das Jetzt so viel Kraft hat
Viele Menschen leiden nicht daran, dass sie keinen Weg haben. Sondern daran, dass sie den ganzen Weg auf einmal sehen wollen: das Ergebnis, die Garantie, die Sicherheit. Doch das Leben funktioniert selten so.
Stell dir einen Wanderer vor, der bei Einbruch der Dunkelheit einen Bergpfad hinaufgeht. Der Weg ist schmal, steinig, der Wald dicht. In seiner Hand trägt er eine Laterne. Nach einer Weile bleibt er stehen und blickt nach oben – aber er sieht keinen Gipfel, kein Ende, keine Übersicht. Nur Dunkelheit.
„Das ist sinnlos“, denkt er. „Wenn ich nicht sehe, wohin das führt, kann ich nicht weitergehen.“
Da tritt ein alter Begleiter neben ihn. Ruhig. Wach. Unaufgeregt. Der Wanderer fragt:
„Wie kannst du so gelassen sein? Du siehst doch auch nicht bis zum Gipfel.“
Der Begleiter hebt die Laterne und sagt:
„Die Laterne ist nicht da, um dir den ganzen Berg zu zeigen. Sie ist da, um dir den nächsten Schritt zu zeigen.“
Dieser Satz trifft etwas Wesentliches: Das Jetzt ist nicht klein – es ist der einzige Ort, an dem Handlung möglich ist. Vergangenheit ist Erinnerung. Zukunft ist Vorstellung. Beides kann wichtig sein, aber beides kann uns auch fesseln: in Schuld, Bedauern, Grübeln oder in Angst, Szenarien und Perfektionismus.
Im Jetzt hingegen können wir atmen. Spüren. Entscheiden. Einen Schritt setzen.
In der Logotherapie würde man sagen: Nicht die totale Kontrolle gibt uns Sinn und Stabilität, sondern die Antwortfähigkeit im Moment – die Fähigkeit, auf das Leben zu antworten, so wie es sich jetzt zeigt. Oft entsteht Klarheit nicht vor dem Handeln, sondern durch Handeln.
Der Wanderer setzt einen Schritt. Und erst dann wird der nächste Meter sichtbar. Nicht früher. Nicht später. Genau im richtigen Moment.
Was du daraus mitnehmen kannst
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Du musst nicht „alles“ gelöst haben, um loszugehen.
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Du darfst den nächsten Schritt klein machen – aber konkret.
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Orientierung entsteht oft, wenn du in Bewegung kommst, nicht wenn du länger nachdenkst.
Reflexionsfragen
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Wo in deinem Leben verlangst du gerade „Gipfelsicht“, obwohl nur „Laternenlicht“ möglich ist?
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Welche Gedanken ziehen dich am stärksten weg aus dem Jetzt: eher Vergangenheit oder Zukunft?
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Was wäre heute ein kleiner, aber stimmiger nächster Schritt (10 Minuten, 1 Telefonat, 1 Entscheidung)?
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Woran würdest du merken, dass dieser Schritt „gut genug“ ist – ohne perfekt zu sein?
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Was brauchst du, um den nächsten Schritt zu gehen: Mut, Struktur, Unterstützung, Klarheit, Ruhe?
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Wenn du Sinn nicht als grosses Ziel siehst: Welche kleine sinnvolle Handlung ist heute möglich?
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Was passiert, wenn du dir erlaubst: „Ich muss den Gipfel nicht sehen“?
#AndrasM ☀️
Kommentare
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Zu viele To-dos. Zu viele Szenarien. Zu viele „Ich muss noch…“.
Denke an die obige kleine Geschichte.
Wenn wir versuchen, alles zu tragen (Zukunft, Verantwortung, Erwartungen), verliert unser Nervensystem Boden. Präsenz wird dünn, Erholung wird unmöglich.
Manchmal ist die heilsamste Frage nicht: „Wie schaffe ich das ganze Jahr?“
Sondern: „Was ist der nächste stimmige Schritt – heute?“
- klare Priorität statt 20 offene Schleifen
- Pause, die wirklich Pause ist
- Gespräch, das entlastet
- Grenze, die du freundlich setzt
Du musst den Gipfel nicht sehen. Es reicht, den nächsten Schritt zu sehen.
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