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26.12.2025

Positive Gedanken

Der Wolf, den wir füttern

Viele Menschen beschreiben ein ähnliches Gefühl:
„Ich sehe nur noch, was nicht stimmt.“
Nachrichten, Konflikte, Unsicherheiten – und irgendwann wirkt es, als würde das Negative wachsen, je mehr man es betrachtet.

Dazu passt eine alte Geschichte:

Ein Grossvater sitzt mit seinem Enkel am Feuer. Der Junge ist bedrückt, weil er überall Streit und Ungerechtigkeit wahrnimmt.
Der Grossvater sagt: „In jedem Menschen kämpfen zwei Wölfe.“

„Der eine Wolf ist dunkel“, erklärt er. „Angst, Neid, Wut, Misstrauen, Groll. Er wird stärker, wenn du dich ständig mit ihm beschäftigst.“
„Und der andere?“ fragt der Enkel.
„Der andere Wolf ist hell: Mut, Vertrauen, Dankbarkeit, Geduld, Güte, Hoffnung.“

Dann kommt die Frage, die alles verändert:
„Welcher Wolf gewinnt?“
Der Grossvater antwortet: „Der, den du fütterst.“

Diese Geschichte wird manchmal missverstanden – als Aufforderung, das Negative einfach wegzudrücken. Doch ihr Kern ist ein anderer: Aufmerksamkeit ist Nahrung.

Wenn ich mich ständig mit dem Schlechten verbinde, wenn ich es innerlich wiederhole, weitertrage, bewerte, dann bekommt es Gewicht. Es färbt meinen Blick, meine Körperspannung, meine Sprache – und damit auch meine Beziehungen und Entscheidungen. So kann das Negative tatsächlich mehr Raum einnehmen, als es müsste.

Umgekehrt gilt aber auch: Das Gute braucht nicht Lautstärke – es braucht Raum.
Ein bewusstes Atmen, bevor ich reagiere.
Ein Moment, in dem ich frage: „Was ist trotzdem möglich?“
Ein Schritt, der meinen Werten entspricht.

In der Logotherapie könnte man sagen: Zwischen Reiz und Reaktion gibt es einen Raum. Und in diesem Raum liegt unsere Freiheit – und die Chance, Sinn zu verwirklichen. Nicht weil alles gut ist, sondern weil wir entscheiden können, wofür wir stehen wollen.

Vielleicht ist das die alltagstaugliche Übung:
Das Negative wahrnehmen, ohne es zum Zentrum zu machen.
Und dem Guten so viel Aufmerksamkeit geben, dass es wieder wachsen kann.

Mini-Impuls für heute:
Was wäre ein kleiner „Bissen“ für den hellen Wolf – ganz konkret, in den nächsten 10 Minuten?

5 Reflexionsfragen

  1. Welche Gedanken füttern bei mir am häufigsten den „dunklen Wolf“ (Angst, Groll, Misstrauen)?

  2. Woran merke ich körperlich, dass ich gerade im Negativen festhänge (Atmung, Spannung, Tonfall)?

  3. Was wäre heute ein kleiner, realistischer „Bissen“ für den „hellen Wolf“ (Mut, Güte, Hoffnung)?

  4. Welche Werte möchte ich auch dann leben, wenn es schwierig ist?

  5. Welchen Satz möchte ich mir selbst öfter sagen, damit das Gute wieder mehr Raum bekommt?

AndrasM ☀️

Vielleicht ist es genau das: eine tägliche Entscheidung, wem ich in mir Raum gebe. Nicht als Flucht vor dem Schweren, sondern als bewusste Ausrichtung. Das Dunkle darf gesehen werden – aber es muss nicht regieren. Und manchmal ist der helle Wolf nicht „grosse Freude“, sondern leises Vertrauen: ein Gebet, ein dankbarer Blick, ein stilles „Ich bin geführt“ oder „Ich bin nicht allein“. So wird das Gute nicht nur gedacht, sondern genährt.. 👍

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