Es war einmal ein Winter, der nicht nur die Wiesen weiss machte,
sondern auch die Herzen still.
Die Bäume standen da wie Gedanken ohne Worte:
kahl, wartend, nackt im Wind.
Als hätte die Welt den Atem angehalten.
Ein Kind ging durch den Wald, Schritt für Schritt im knirschenden Schnee,
und fragte leise in die kalte Luft:
„Kommt das Leben wieder zurück? Oder war das alles nur ein Sommertraum?“
Da sah es sie.
Eine Tanne.
Mitten im Weiss.
Mitten im Schweigen.
Und doch: grün.
Das Kind trat näher, als würde es ein Geheimnis berühren,
und flüsterte: „Warum bist du noch da, wie du bist?
Warum hältst du fest, wenn alles andere loslässt?“
Die Tanne antwortete nicht mit Worten,
sondern mit einem sanften Rauschen –
wie eine Erinnerung, die man nicht erklären kann:
„Der Winter nimmt viel, ja.
Aber er nimmt nicht alles.
Nicht das, was tief verwurzelt ist.
Nicht das, was leise Hoffnung heisst.“
Das Kind legte die Hand an die Nadeln.
Und in diesem Moment spürte es:
Grün ist nicht nur eine Farbe.
Grün ist ein Versprechen.
Als die dunkelsten Tage kamen, holten die Menschen die Tanne ins Haus.
Nicht als Schmuck.
Nicht als Tradition.
Sondern als Zeichen.
Damit etwas im Raum steht, das sagt:
Auch wenn draussen alles karg ist –
drinnen darf es warm werden.
Auch wenn die Nacht lang ist –
das Licht findet einen Ort.
Und auch wenn das Leben manchmal still scheint –
es ist noch da.
So wurde der Tannenbaum ein Weihnachtsbaum:
Ein Stück Wald im Wohnzimmer,
ein kleines „Trotzdem“ im Dezember,
ein grüner Gedanke, der flüstert:
Es wird wieder hell.
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